Das Gemetzel im Vomper Loch
Wo ist Bernhard? Hat er sich verlaufen? Hat er unsere rote Spur nicht gefunden? Haben wir das alles etwa umsonst gemacht? Ich ziehe meine beiden roten Striche lieber noch einmal nach. Auf der anderen Pfadseite segelt eine Latschenkiefer durch die Bergluft und landet zwischen den Steinen im Bachbett. Da ist er also, der Bernhard mit den Scherenhänden. Hoch erfreut, mit Schwung und Elan arbeitet er sich durch die Nadeln. Nimm das! Und dies! Ein wahres Gemetzel im Vomper Loch. Ist das die Rache für die verhassten Nachmittagsaufstiege in sonnenbeschienenen Latschenhängen? Man könnte es meinen. Das ist es aber nicht. Vandalismus im Alpenschutzgebiet? Nein, wir machen das ganz legal. Denn diesmal sind wir nicht alleine unterwegs, sondern mit dem Alpenverein, genauer gesagt mit der Sektion Schwaben zu ganz offiziellen Wegsanierung. Mit Farbeimern, Pinseln und diversen Hecken- und Astscheren bewaffnet, machen wir einige Wanderwege wieder sichtbar. Zumindest sieht der Plan das so vor.
Seit über fünf Stunden sind wir schon unterwegs. Die einen laufen vor, bürsten die Markierungsflächen frei, die anderen laufen mit Farbe hinterher und pinseln zunächst zwei rote Striche auf die Felsen. Die Traummaße 40 – 60 – 40 treffen wir zwar äußerst selten und an den geraden Kanten müssen wir auch noch arbeiten. Doch die Motivation lässt nicht nach, egal wie uneben und kantig die Malunterlagen ausfallen. Und Bernhard? Der ist heute der Mann fürs Grobe und schneidet den Weg wieder frei. Und so laufen wir gackernd immer weiter ins Vomper Loch runter. Irgendwann werden wir den gleichen Weg wieder hoch gehen müssen und unsere Malereien mit den weißen Strichen versorgen. Das machen wir am besten, bevor die Hüttenküche schließt. Herrmann, unser Boss und DAV-Wegewart, wird das schon noch auf dem Schirm haben. Oder etwa nicht? (Natürlich hat er das, die Pfanne Kaiserschmarrn zu später Stunde ist auch schon bestellt 😉 .
Stahlseiltänzer im Föhnwind
Haare, Haare überall! Ich sehe nicht, wo mein Pinsel hin führt, wie er scheinbar von allein einen Strich auf dem Stein pinselt und wieder im Farbeimer – vielleicht auch daneben – verschwindet. Der Föhnwind wütet auf meinem Kopf und ich kriege ihn nicht gebändigt. Dabei haben wir heute eine heikle Mission zu erfüllen: im Rahmen der Wegarbeiten den schwarzen Aufstieg auf die Speckkarspitze zu markieren. Steine, Felsen, tiefe Abgründe und der mahnende Finger von Thomas, dem Hüttenwirt. Während ich hektisch nach Schnur / Faden / Haargummi (bevorzugt) in meinen Taschen suche, wandert unsere Schwaben-Truppe furchtlos den Stahlseilen entgegen. Da ist es endlich, das Haargummi, es kann weiter gehen.
Wie gut, dass ich die Steinmandl-Baukunst in jüngster Vergangenheit mit Sorgfalt studieren konnte. Klick-Klack stellen wir die Türmchen auf, stützen sie an den Seiten, von hinten und von vorne. Jetzt noch ein rotes Mützchen und weiter geht’s. Wir tänzeln im Föhnwind die Höhenmeter hoch, bald ist es felsig und geröllig. Eine Hand am Stahlseil, eine am Farbeimer, stets dem Gipfelkreuz entgegen. Der Wind wird aber noch ganz leise, die Wolken über uns ganz schwer. Während wir mit weißen Farbeimern den Weg wieder absteigen werden, werden die ersten Tropfen fallen. Und noch später werden wir mit strahlenden Gesichtern in der Hütte sitzen und uns freuen, dass wir den ganzen Weg geschafft haben und doch nicht nass geworden sind.
Mission „DAV Wegsanierung am Hallerangerhaus“ erfüllt, wir haben uns gefunden. Bis zur nächsten Saison wenn der Wegewart wieder ruft, würde ich sagen.
Info: DAV-Wegsanierungsarbeiten
Einsatzgebiete: einfach gesagt dort, wo die Hütten der jeweiligen DAV-Sektion stehen.
Aufgaben: Wegmarkierungen bauen und pinseln, Schilder aufstellen, Räumungsarbeiten, Wege freischneiden, Befestigungen bauen. etc.
Was man nicht machen muss: Bäume fällen, Brücken bauen, Seilsicherungen anbringen, Gipfelkreuze schleppen
Voraussetzungen: Mitgliedschaft bei der jeweiligen Sektion des Deutschen Alpenvereins. Motivation und Kondition, um mit Farbeimern und Arbeitsgeräten Berge hochzukraxeln und sich beim Schneiden / Buddeln / Bauen dreckig zu machen.
Links: DAV-Bundesgeschäftsstelle, DAV Sektion Schwaben
2 Kommentare zu “Gutes Karma im Karwendel”