Es ist Samstagabend 22Uhr – die Bässe rotzen französischen Rap aus den Boxen. Vor unseren Augen können wir die Menge zappeln sehen. Aber irgendwas ist doch hier falsch! Wir sind doch auf einem ganz normalen Campingplatz und nicht auf dem größten Musikfestival von Reunion. Oder haben wir doch eine Zeit- und Raumreise hinter uns.
Der nächste morgen klärt auf, die leeren Jonnie-Flaschen am Mülleimer sprechen Bände: Eine kreolische Großfamilie hat wohl irgendwas gefeiert. Und unsere Statistik, sich auf der Toilette einzuschließen und nicht mehr rauszukommen, erreicht ihr Höchstniveau.
Am nächsten Tag keuchen wir wieder die Hänge hoch. Auf den 1.356 Meter hohen Piton d’Anchaing im Cirque du Salazie, zum Trou de Fer, im Foret de Bélouve… Und dabei wird jede Frucht als freudige Möglichkeit genommen anzuhalten um zu diskutieren, was das schon wieder ist. Papaya, Banane, Zitrusfrüchte oder Guave sind da die einfachsten Vertreter, aber wer kennt schon Goyavier oder Vacoa? 😍 Alternativ kann man sich von einer Brotfrucht erschlagen lassen. Letztendlich ist die Versuchung groß, sich hier so ziemlich alles in den Mund zu stopfen, was am Pfadrand so gedeiht. An Vitamin-C-Mangel werden wir hier wohl kaum verenden – gefühlt schwitzen wir jetzt schon Multivitaminsaft – plötzlicher Hitzeschlag kann aber noch nicht ausgeschlossen werden.
Nach drei Tagen Regenwald und Garten Eden im Cirque de Salazie wollen wir mal was anderes sehen und wechseln das Quartier. Schließlich sind wir mittlerwiele nasse Urlaube gewohnt, so stellen wir uns dem Schicksal und tuckern an die regenreiche Ostküste. Überraschenderweise bleiben wir recht trocken. Statt Regendusche bekommen wir jeden Abend frische Früchte aus dem eigenen Camping-Farm-Garten vorgesetzt – wenn nicht die Ameisen schon schneller waren. Und tja, sie sind nunmal schnell. Und wir laufen über goldene Strasssteine am Strand, während der indische Ozean seinen bollernden Bass dazu gibt. Wäre da nicht das sopransche Gefiepse der Stechmücken. Bisheriger Rekord: 16 Stiche an einem Tag – hoffe diesen Rekord nicht so schnell schlagen zu können.






















La Réunion ist ein ein französisches Übersee-Département im Indischen Ozean. Zwischen den weißen Stränden von Mauritius und den exotischen Wäldern von Madagaskar wartet also ein Stückchen EU, um entdeckt zu werden.
Die Insel ist etwas kleiner als Saarland, lässt jedoch echte Wanderfreude aufkommen – denn nicht nur der Piton de la Fournaise, einer der aktivsten Vulkane der Welt, und sein erloschener Vorfahre Piton des Neiges haben atemberaubende Landschaften um sich gezaubert, die mit ihren spektakulären Regenwäldern, Bergen, Schluchten und Hochebenen locken. Und das alles, ohne dass man Angst haben muss, irgendwo im Busch von einer Anaconda gefressen zu werden, denn auf der Insel leben keine für den Menschen gefährlichen Spezies. Doch nicht nur Abenteuerlustige kommen auf ihre Kosten: Für Strandnixen und Wassersportler bietet die für ihre Bourbon-Vanille bekannte Insel – früher wurde sie Île Bourbon genannt – exotische Strände incl. Korallenriff. Und ja, nicht zu vergessen: Das Nationalgetränk ist der Rhum Arrangé, also eine rumtopfähnliche Mixtur, häufig mit eingelegten Früchten oder Gewürzen.
1 Kommentar zu “La Reunion – Exotik für Halbstarke”